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Teil 2
Die Restauration
Die Restauration begann mit der weiteren Zerlegung
von Komponenten mit Ausnahme des Motors, Getriebes und des SW-und
Hinterradantriebs . Nachdem ich mich ja bereits im Vorfeld mit der
Maschine beschäftigt habe, wusste ich was auf mich zukommen wird.
Nachdem alles zerlegt war begann ich den Rahmen zu überprüfen ob er
verzogen oder gerissen ist. Glücklicherweise war dies nicht der Fall
was man vom Seitenwagenrahmen nicht sagen konnte. Dieser war zum einen
gerissen und zum anderen verbogen. Aber wozu hat man denn Freunde die
zufällig eine Karosseriewerkstatt mit Rahmenrichtbank haben. Flugs
angerufen und samstags vorbei gekommen. Mit einem Mitarbeiter habe ich
dann den SW-Rahmen entsprechend gerichtet, geschweißt und die
Schweißnaht verschliffen. Auch mein originaler Vorderradkotflügel und
mein Seitenwagenkotflügel wurden aufwendig wieder aufgebaut. Die
weiteren Vorarbeiten umfassten das überprüfen und instand setzen aller
Gewinde, die Prüfung auf Passgenauigkeit, das anfertigen von
Lagerbuchsen sowie das Sandstrahlen aller Rahmenteile um sie für die
Lackierung vorzubereiten. Die Kreativität der Vorbesitzer war teilweise
schon bemerkenswert! Zu große Gewindebohrungen wurden mit Streichhölzer
oder Lederstücke so bearbeitet, dass die Schraube hielt oder sie wurde
einfach angeschweißt Nach dem zerlegen der Vordergabel mussten auch hier
alle Lagerstellen mit neuen Buchsen versehen werden.Es versteht sich von
selbst, dass defekte Komponenten gegen gute Nachfertigungen ausgetauscht
wurden. Auch der Ölstoßdämpfer hatte -so wie er aussah- schon lange
seinen Dienst quittiert und sich krank gemeldet. Hier habe ich durch
Eigenfertigung der defekten Teile die Instandsetzung durchgeführt.
Nachdem alle sonstigen Vorarbeiten am Rahmen sowie an den Anbauteilen
erledigt waren, war Sandstrahlen angesagt um die Teile zum lackieren
vorzubereiten. Hier hatte ich das Glück dies in Eigenregie durchführen
zu können. Ich kann nur sagen, so eine scheiß Arbeit! Aber wenn es gut
sein soll, muß man da durch! Nachdem alles gestrahlt war konnte es zum
Lackierer gehen. Ich entschied mich für das Afrikabeige RAL 8000 matt
(bis Ende 42 verwendet) da es dies handelsüblich gibt, und so
Ausbesserungen im gleichen Farbton immer möglich sind. Ich nahm damals
Acryllack was ich heute nicht mehr nehmen würde. Warum- er ist zu hart
und springt beim anziehen der Schrauben wie Emaile ab und hinterlässt
hässliche Spuren.
Nachdem alles lackiert war, begann ich mit dem
Aufbau der Maschine. Zuerst wurde die Vordergabel mit allen ihren
Komponenten zusammengebaut. Die Bremsankerplatte wurde ebenfalls nach
der Überholung wieder an ihren Platz montiert. Die Felgen haben neue
geschlossene Lager, Dichtungen und Achsen bekommen. Bei den Reifen habe
ich mich für die WESA entschieden. Diese benutze ich auch heute noch
allerdings musste ich nach knapp 18000 km am Hinterrad schon den dritten
aufziehen lassen. Da sich der Seitenwagenrahmen nur mit dem eingebauten
Hinterradantrieb montieren lässt, nahm ich mich nun diesem an.
Bevor ich ans zerlegen ging, befreite ich den
Antrieb vom Jahrzehnte altem Dreck.
Die Zerlegung ging recht gut voran und offenbarte
wie nicht anders zu erwarten war einige Überraschungen. Der
Zwischendeckel alle Lager sowie diverse Zahnräder waren nicht mehr zu
gebrauchen, und wurden erneuert. Das Differenzial erhielt neue Achsen
und Buchsen wobei die Planetenzahnräder wieder verwendet werden konnten.
Diese laufen auch heute noch ohne Probleme. Bei der Sperre mussten
lediglich die Gleitsteine wie auch die Dichtung erneuert werden. Das
genaue einstellen des Teller- Kegelzahnrades ist zwar kein Hexenwerk,
erfordert aber doch eine gewisse Kenntnis der Materie. Als alle Bauteile
wieder zusammen gefunden hatten konnte es eingebaut werden. Wichtig ist
das die Flucht der Kardanwelle zum Getriebe stimmt sonst wird es im
Betrieb Probleme geben. Nun konnte ich den Seitenwagen montieren und mit
ihm alle Teile mit Ausnahme des Bootes – hab ja noch keines gehabt- und
des SW-Antriebs. Dieser wurde mit neuen Lagern, Dichtungen und
Zahnrädern wieder neu aufgebaut. So langsam konnte man erkennen was es
werden wird. Die Instandsetzung der Bootsfederung beim BW 40 ist im
Vergleich zum BW 43 etwas aufwendiger. Das herausoperieren der
Drehschubfedern war eine aufwendige Arbeit nach rund 60 Jahren Rost und
Dreck. Nachdem dies geschafft war konnte ich die nicht mehr brauchbaren
Teile gegen neue ersetzen. Zwischenzeitlich ging einige Zeit ins Land
und die Veterama in Ulm kam zeitlich günstig dazwischen. Beim Rundgang
erblickte ich ein optisch gutes original SW-Boot bei einem in der Szene
bekannten Anbieter.
Zuerst schlich ich ein wenig um das Boot herum bis
ich das Gespräch mit dem Anbieter aufnahm. Dieser wollte aber das Boot
überhaupt nicht verkaufen, doch ich lies nicht locker und konnte
schließlich durch die Intervention seiner Frau –welch ein Glück- das
Boot per Handschlag erwerben.
Eine Woche später fuhr ich in die Nähe von
Frankfurt und holte zusammen mit meiner Lebensgefährtin das Boot ab. Auf
der Heimfahrt hatten wir ein paar nette Erlebnisse da man ja nicht jeden
Tag so ein Boot auf einem Dachgepäckträger sieht. Zunächst sah das Boot
ja ganz gut aus aber als ich es nach dem bekannten Sandsturm wieder sah
kam das große Grauen. Der Rost hatte ganz schöne Arbeit geleistet, und
mich dazu aufgefordert richtig Hand anzulegen. Dies tat ich dann auch,
und ersetzte einige Blechpartien und konnte mich mit dem Schweißgerät so
richtig austoben. Nach Fertigstellung und Lackierung war das Boot zur
Montage fertig.
Nun begann ich das Getriebe zu zerlegen und neu
aufzubauen. Nach der Zerlegung stellte ich fest, daß ich mir ein neues
Gehäuse suchen musste. Was war geschehen? Spezialisten aus grauer
Vorzeit sägten im Bereich des Vergasers die Gehäuseflanken ab um
wahrscheinlich einem anderen Vergaser Platz zu schaffen. Ebenso waren
die Lagersitze nicht mehr maßhaltig. Durch einen langsam wachsenden
Szenebekanntenkreis konnte ich ein sehr gutes Gehäuse bei einem
Leidensgenossen ergattern. Jetzt musste nur noch ein Getriebedeckel her.
Diesen fand ich bei einem Anbieter aus Tschechien
neu. An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass ich fast meine gesamten
Teile auch Motor und Getriebeteile bei einem bekannten tschechischen
Anbieter beschaffte. Ich fuhr mit einem Bekannten insgesamt rund 8 mal
dort hin weil man nie alles auf einmal bekam. Bisher habe ich nach nun
20000 km noch keine Schäden aufgrund mangelnder Qualität gehabt. Da gibt
es ganz andere Kapazitäten deren Teile schon frühzeitig den Geist
aufgaben oder nicht passten. Nachdem ich nun glücklicher Besitzer eines
neuen Getriebegehäuses war, konnte der Aufbau mit neuen Teilen beginnen.
Der Zusammenbau ging gut von der Hand das Einstellen der einzelnen
Wellen und Zahnräder war etwas anspruchsvoller. Nach Abschluss des
Getriebeaufbaus wendete ich mich dem Motor zu. Dieser erfuhr einen
kompletten Neuaufbau. Ich konnte absolut nichts außer das Gehäuse und
die Zylinderköpfe verwenden. Für die Motorinstandsetzung gibt es zwei
Möglichkeiten - Gleitlagerumbau oder die Verwendung einer gepressten
Kurbelwelle.
Ich entschied mich für die gepresste Kurbelwelle da
ich dort mehr Flexibilität bei den Komponenten habe. Sinnvoll ist alle
Teile von einem Anbieter zu verwenden, da hier davon ausgegangen werden
kann, dass alles aufeinander abgestimmt ist. Natürlich kann man auch von
anderen Anbietern Teile verwenden, allerdings sind dann Nacharbeiten
erforderlich.
Die Kurbelwelle wurde mit Schwungscheibe und Pleuel
zum Feinwuchten an einen Motoren Instandsetzer gegeben. Die Kolben
wurden mit den Zylindern zum Hohnen ebenfalls an einen Spezialbetrieb
gegeben. Die Zylinderköpfe wurden mit neuen Ventilsitzen und Ventilen
sowie eigens angefertigten Ventilführungen versehen. Zahnräder und
Ölpumpe wurden bei den einschlägigen Verdächtigen erworben und arbeiten
auch heute noch klaglos.
Nachdem der Motor komplett zusammen gebaut war,
konnte er mit vereinten Kräften in den Rahmen samt Getriebe eingesetzt
werden. Den Magnetzünder habe ich kompromisslos mit neuen Teilen
aufgebaut was er mir bis jetzt mit zuverlässigem Arbeiten dankt. Beim
Vergaser scheiden sich ja die Geister. Ich habe am Anfang einen von Bing
für die Zündapp hergestellten Vergaser gefahren. Dieser funktionierte
einwandfrei mit der entsprechenden Bedüsung. Ein paar Nachteile gab es
allerdings, die nicht jedermanns Sache sind. Der Gaszug verläuft
außerhalb der Abdeckteile entlang. Ebenso musste ein Hebel für den Choke
angebaut werden. Nicht original aber notwendig. Alle weitern Teile
wuchsen so langsam zu einer KS 750 zusammen. Als nun endlich ein
vollständiges Gespann vor mir Stand, war ich schon beeindruckt von
dieser Erscheinung.
Natürlich wollte ich auch sehen, wie sie läuft.
Benzinhahn auf - 2- 3 mal den Kickstarter treten - Zündung ein und
nochmals den Kickstarter treten und sie sprang an. Welch eine Freude
stieg in mir hoch als ich diesen Klang vernahm. Nachdem ich sie einige
Zeit im Stand laufen lies, musste ich den Leerlauf noch ein wenig
nachstellen. Ich muss sagen, dass ich mit dem Bing Vergaser gute
Erfahrungen machen konnte. Auch bei Schrägfahrt und im Gelände hatte ich
keine nennenswerte Probleme.
Nach einigen Jahren mit Bing und vielen
interessanten Gesprächen mit Fahrern die den Solex verwenden, habe ich
mich dann entschlossen, es ebenfalls damit zu versuchen. Ich beschaffte
mir bei einem KS-Fahrer einen Solex den ich komplett neu bedüst, und
mit einer neuen Drosselklappe plus Welle aufgebaut habe. Nachdem ich den
Brennstoffspiegel eingestellt hatte, wurde dieser nun montiert. Am
Anfang lief die Zündapp nicht zufrieden stellend.
Nach einigem Experimentieren während meinen
Fahrten habe ich nun die beste Einstellung gefunden.
Bis dato habe ich eine sehr anspruchslose Zündapp
die aufgrund regelmäßiger Wartung tadellos Läuft.
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